Maienzeit

In der schönsten Frühlingszeit,
hallen Vogellieder.
Und so mancher Blütenbaum
zeigt sich traumhaft wieder.
 
Lichterfüllte Frühlingswiesen
laden ein zum Maientanz.
In den Gärten pflanzt man wieder,
mancher bindet einen Kranz.
 
In den Wäldern und den Tälern,
nahe aufgewachter Quellen,
schießen aus dem Humusboden
lieblich duftend die Maischellen.

Und so manches blaue Veilchen
säumt den lichten Waldesrand.
Wie die schönen Schlüsselblumen
sind auch sie mit Gott verwandt.



.
Twity, 25.04.2017
© by Twity-Autor 

Doktor Luther zu Wartburg

Doktor Luther saß auf der Wartburg und übersetzte die Bibel. Dem Teufel war das unlieb und hätte gern das heilige Werk gestört; aber als er ihn versuchen wollte, griff Luther das Tintenfaß, aus dem er schrieb, und warf’s dem Bösen an den Kopf.

 Noch zeigt man heutigestages die Stube und den Stuhl, worauf Luther gesessen, auch den Flecken an der Wand, wohin die Tinte geflogen ist.

 Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 556

Ihr elenden Klagen

 

Ihr elenden Klagen,
wie könnt ihr es wagen,
ihr seht nur das Schlechte,
als ob es was brächte,
das ewige Jammern,
das furchtbare Klammern,
das Bitten und Flehen,
wer weint kann nicht sehen.
Ihr seid wie ein Stein,
beschwerend, gemein.
Euch fehlt jeder Blick
für Freude und Glück.

.

Twity, 23.04.2017
© by Twity-Autor

 

Der Wasserfrosch

 


Der Frosch sonnt sich im Lenzenschein,
er liebt sein Wasserreich.
Er quakt sich für das Laichen ein,
am Rand von einem Teich.
 
Das Weibchen trägt ihn huckepack,
zum besten Wasserplatz.
Er klebt mit grünen nassen Frack
ganz nah an seinem Schatz.

Die Eier hat sie abgelegt,
er legt die Spermien auf.
Nach Tagen hat sich was bewegt,
es larvt sich schon zuhauf.
 
Sie halten sich an Pflanzen fest
und werden Kaulquappen.
Acht Wochen dauert noch der Rest,
bevor sie Fliegen schnappen.


.
Twity, 23.04.2016
© by Twity-Autor 


Die Brückenbauer

Die Sonne und der Regen
haben sich verbunden.
Auf allen ihren Wegen,
werden sie gefunden.

Unterhalb der Wolken,
unterm Himmelzelt,
werden Menschen folgen,
auf der ganzen Welt.

Denn sie bauen Brücken,
wie den Regenbogen.
Mit Farben die beglücken,
bis sie dann weiter zogen.

.
Twity, 21.04.2017
© by Twity-Autor

Der schöne Mai

 

Der Mai ist grün, der Mai ist bunt,
das ist ein wunderbarer Grund
ihn fest in unser Herz zu schließen,
wenn überall Maiglöckchen sprießen.
Der Mai ist schön, der Mai ist warm,
an Vielfalt ist er niemals arm,
er ist besonders liebenswert,
noch nie hat jemand sich beschwert.

.
Twity, 21.04.2017
© by Twity-Autor 

Der Silberreiher

Die Enten sind grad hoch im Kurs,
und ebenso die Eier.
Die Hasen folgen hinterdrein,
dann muss es folglich Ostern sein,
denkt sich ein Silberreiher.

Dann kommt er glatt zur besten Zeit,
das Leben hat begonnen.
Die Auferstehung ist nicht weit,
ihn schmückt sein weißes Federkleid,
er möchte sich hier sonnen.

Er sah auf seinem langen Flug
gar sagenhafte Dinge.
Jener wirkt sehr stolz und klug,
er flog mit einem Vogelzug
und trägt an Füßen Ringe.

Der Frühling führte ihn hier her,
an diesen Ostertagen.
Die Gera macht es ihm sehr schwer,
denn Fische gibt sie selten her,
Insekten füllen seinen Magen.

.
Twity, 14.04.2017
© by Twity-Autor

Die wilde Kirche

 Auf den Ohmberg im Eichsfeld kam auf seinem Bekehrungsgange durch Thüringen auch der heilige Bonifazius und zerstörte dort eine heidnische Opferstätte auf einem Felsen, der noch jetzt der große Stein heißt. Dort pflanzte er ein Kreuz auf und predigte von einem grausam steilen Felsen, der, vom Ohmberge abgerissen, ganz einzeln sich erhebt, fast wie der erst spät wieder zugänglich gemachte Bonifaziusfels beim Schlosse Altenstein, und dieser Fels und Ort heißt noch heute die wilde Kirche.

 An des Berges Fuß gründete Bonifazius ein Kloster, das hieß zu den drei Annen. Als einstens eine furchtbare Pest das Eichsfeld verheerte und die Geistlichen dahingerafft hatte, sollen neugeborne Kinder zur wilden Kirche getragen und allda von einem Einsiedler getauft worden sein. Es ist dort nicht so recht geheuer; manche haben schon wundersamen Glockenklang vernommen, und eine Frau erblickte selbst die Glocke, silberhell in offner Glockenstube hängend über einem auch offnen überherrlichen Dome, darinnen die Kerzen brannten und ein greiser Bischof das heilige Amt hielt. Ganz erstaunt eilte das Weib, ihren Mann zu rufen, als sie ihn aber endlich gefunden hatte und zur Stelle führte, war die Kirche verschwunden, gleich der Geisterkirche am Ochsenkopf und auf Burg Waldstein.

 Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

Ein knallig rotes Osterei

 

Ein knallig rotes Osterei,
das wollte sich verstecken.
Da kam sogleich der Fuchs vorbei,
er wollte es erschrecken.

Doch weil es keine Ohren hat
und leider keine Beine,
da lag es sich die Schale platt
und war auch ganz alleine.

Doch wie der Zufall es gern will,
ein Kind hat es gefunden.
Ein gutes Kind mit Hut und Brill‘,
hat es am Zweig gebunden.

Und später klopfte jemand an,
das war die schwarze Dohle.
Dann fiel das Ei, oh man, oh man,
gar mitten in die Kohle.

.
Twity, 12.04.2017
© by Twity-Autor